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Analoge Profile der Workshop-Teilnehmenden mit verfremdeten Profil-Fotos

Soziale Medien und Lernschwierigkeiten

Menschen mit Lernschwierigkeiten und geistigen Behinderungen nutzen digitale Medien wie Smartphones und soziale Netzwerke wie WhatsApp: Wie können medienpädagogische Angebote für diese Zielgruppe gestaltet werden? Vor dem Hintergrund dieser Frage veranstaltete die Stiftung barrierefrei kommunizieren! ihre traditionelle Veranstaltung im Rahmen der Berliner Stiftungswoche. 

Empfangen wurden die Teilnehmenden mit Tablets und der Aufforderung, mit einer Gesichtsverfremdungs-App Profilfotos von sich zu erstellen, die später in der Praxisphase das analoge Profil bebildern sollten. Anschließend gab es einige Infos zu bereits vorhandenen Projekten und Materialien, die sich mit dem Thema Soziale Netzwerke und Lernschwierigkeiten auseinandersetzen: Facebook-Leitfäden vom PIKSL Labor und der Bundeszentrale für politische Bildung, die fb-Toolbox, das Blog-Projekt von Nadja Zaynel und ein Facebook-Offline-Spiel, welches ursprünglich ebenfalls von der BPB entwickelt wurde und von André Naujoks von barrierefrei kommunizieren! für die Jugendarbeit adaptiert wurde.

Soziale Netzwerke wie Facebook sind relativ komplex und bei der jüngeren Zielgruppe zunehmend wenig angesagt, hier ist mittlerweile WhatsApp der "Marktführer". WhatsApp wird, durch die Möglichkeit sich Sprachnachrichten zu schicken, auch viel von Menschen genutzt, die nicht lesen und schreiben können. Unsere Idee war, dass Facebook-Offline-Spiel für WhatsApp zu adaptieren, zu spielen und auf seine Möglichkeiten und Grenzen für die Zielgruppe Menschen mit Lernschwierigkeiten mit den Workshop-Teilnehmenden zu reflektieren. In einer ersten Phase ging es darum, Kontakte auf Basis von geteilten Interessen zu knüpfen, die Kontaktliste zu füllen, zu chatten, Gruppen zu gründen und Gruppenchats beizuwohnen und und und...in der zweiten Phase, in der es um die Auseinandersetzung mit dem Thema Cybermobbing ging, wurde jeder einmal zum Mobber - und wurde gemobbt.

Die Teilnehmenden diskutierten rege: So wurde das WhatsApp-Offline-Spiel als günstig empfunden, um über sein eigenes Handeln und Kommunizieren in sozialen Netzwerken zu reflektieren und sich der Mechanismen stärker bewusst zu werden. Gleichzeitig wurde bemerkt, dass das Spiel natürlich viel stärker strukturiert, geleitet und auch vereinfacht werden müsste, damit es für Menschen mit Lernschwierigkeiten geeignet wäre. Beim Thema Cybermobbing gilt es ganz besonders stark abzuwägen: Die Methode kann nur präventiv und nicht in bestehende Konflikte hinein durchgeführt werden. Außerdem muss hier besonders viel Wert auf die Gruppenzusammensetzung gelegt werden. Dies kann nur in Zusammenarbeit mit Fachkräften geschehen, die ihre Zielgruppe gut kennen.

Insgesamt eine Veranstaltung, die wieder sehr durch den angeregten und engagierten Austausch der Teilnehmenden lebte!