Mittlerweile gibt es ja einige Apps bzw. integrierte assistive Funktionen in Betriebssystemen und Programmen, die gesprochene Sprache in Text umwandeln können, der mitgelesen werden kann. Dazu gehören z. B.
- Live-Untertitel iOS
- Automatische Transkription und automatische Untertitel in Android
- Live-Untertitel in Windows 11
- Live-Untertitel mit Übersetzungsfunktion in PowerPoint 365
- Live-Untertitel mit Chrome
Wichtige Aspekte bei der Auswahl eines geeigneten assistiven Tools sind dabei z. B:
- Kann der Untertitel optisch angepasst werden?
- Auf welchen Geräten läuft das Tool?
- Wichtig: Funktioniert das Tool auch offline und somit datensensibel?
- Gibt es weitere assistive Funktionen für gehörlose Menschen?
Vor dem Hintergrund dieser Fragen haben wir uns eine iOS-App angeschaut, auf die wir vom Entwickler aufmerksam gemacht wurden: Dicto. (0,99 Euro) Technisch greift die App auf die Apple-Spracherkennung zu, die lokal auf dem Gerät arbeitet - das bedeutet: Dicto verarbeitet Sprachdaten lokal auf dem Gerät, läuft also ohne Internetverbindung, man muss sich nicht mit Konto anmelden. Was unterscheidet nun Dicto von der integrierten Live-Untertitel-Funktion auf iOS-Geräten, welche Gründe sprechen möglicherweise für die (kleine) Extra-Anschaffung?
- Man kann direkt in der App seine Antwort eintippen und die Antwort vom Gerät sprechen lassen. Interessant ist auch, dass die Antworten gespeichert werden und wieder aufgerufen werden können. Diese Funktion ist für gehörlose Menschen geeignet, die nicht lautsprachlich kommunizieren (für Android gibt es eine vergleichbare Funktion in der App Automatische Transkription.)

- Es gibt einige vorgefertigte Designs, um den Untertitel in verschiedenen Farben vor unterschiedlichen Hintergründen anzeigen zu lassen. Dies lässt sich in den Einstellungen im Bereich "Farbschema" ändern.


- In den Einstellungen findet man auch die Möglichkeiten, einen "Flüstermodus" zu aktivieren - ist dieser aktiv, verblassen Nachrichten nach einigen Sekunden für immer: Eine gute Funktion, wenn man auf Privatsphäre in Gesprächen Wert gelegt wird! Bei Gesprächsabstand kann zwischen "Nah" und "Fern" gewählt werden - je nachdem, wie weit die Gesprächsperson vom Bildschirm entfernt ist oder auch wie gut sie sehen kann. Insgesamt ist die Anzeige des Live-Untertitels auch im Nah-Modus sehr groß, so dass sich die Dicto eindeutig eher für Gespräche zu zweit mit kurzen Sätzen eignet bzw. wenn Menschen zusätzlich eine Sehbeeinträchtigung haben.



- Auch vom Handling her unterscheidet sich Dicto von den iOS-Live-Untertiteln. Diese können zwar ebenfalls pausiert werden, dazu muss man aber aktiv auf die Pausen-Taste tippen, sonst läuft der Live-Untertitel fortlaufend weiter. Bei Dicto ist es so, dass eine kurze Sprechpause einen Satz beendet. Nach einer längeren Pause endet das Zuhören automatisch. Wie lang diese Pause währen soll, kann man ebenfalls in den Einstellungen an das eigene Sprachtempo anpassen. Will man das Gespräch weiterführen, tippt man erneut auf das Mikrofon-Symbol rechts unten. Auch diese Funktion kommt der Gesprächssituation zu zweit mit kurzen Sätzen entgegen, die der Gesprächsperson genug Zeit einräumt, das Gesprochene zu erfassen.
Fazit: Dicto bietet schon jetzt Funktionen, die sie für einige Kontexte sehr interessant macht. Gerade für Gesprächspersonen, die aus unterschiedlichen Gründen schnell "erschlagen" sind von zu viel Text zum Mitlesen - z. B. weil sie nicht so gut sehen oder nicht so schnell lesen können - ist die App aktuell zu empfehlen. Der Entwickler schreibt, dass die App weiter entwickelt und auch an einer Lösung für Gruppengespräche gearbeitet wird.